Exkurs: Warum will ich überhaupt Kinder?!

Warum will ich überhaupt ein Baby?

Die Frage warum ich überhaupt ein Baby genau jetzt auf biegen und brechen haben wollte,  habe ich mir in den vergangenen drei Jahren schon sehr oft gestellt. Und es gibt viele, viele Antworten z.B. …

…weil es mein sehnlichster Wunsch ist eine eigene Familie zu gründen.

…weil alle unsere Freund auch schon ein Kind haben.

…weil es von unserer Gesellschaft so vorgegeben wird, dass wenn man erstmal geheiratet hat auch gleich der Nachwuchs kommen muss.

…weil ich jetzt einfach mit Mitte 30 alles erlebt, lange genug gearbeitet habe und es jetzt einfach an der Zeit wäre.

Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht zu 100 % beantworten. Auf der einen Seite möchte ich unbedingt ein Kind, auf der anderen Seite bin auch wirklich sehr froh über mein Leben, dass ich jetzt habe. Diese Unabhängigkeit aufzugeben für einen kleinen Wurm, der komplett auf dich angewiesen ist, ist eine Herausforderung der sich die meisten Frauen nicht bewusst sind und alles durch eine rosarote Brille sehen. Klar ist es super schön und mit Sicherheit ein unbeschreibliches Gefühl, dass niemand mehr missen möchte. Aber es hat eben im Leben alles seine Vor- und Nachteile.

Um den Gesellschaftlichen Druck auch nochmals dezidiert anzusprechen. Es ist und bleibt eine sehr persönliche Sache zwischen zwei Menschen, die wirklich niemanden, ich betone niemanden etwas angeht. Glaubt mir ich kenne die Gedanken z.b. vieler Kollegen, die sich mit Sicherheit schon wundern, warum sich da nichts tut. Immer wieder die gleichen gestellten Fragen bei Firmenfeiern, ob wir denn überhaupt Kinder haben wollten oder wann es denn jetzt bei uns endlich so weit sein wird…HALLOOOO??

Ich hätte mir früher niemals angemaßt Kolleginnen oder auch Freunde, ja nicht mal innerhalb der Familie hier nachzufragen, weil es einfach ein sehr sehr heikles und persönliches Thema ist bzw. sein kann. Man kann ganz unbewusst sein Gegenüber mit lapidaren Aussagen verletzen und es schwerer machen als es ohnehin schon ist.

Da gehörst du nicht mehr dazu

Stichwort alle unsere Freunde haben bereits ein Kind. Was glaub ihr wie ich mich jedes mal gefühlt habe, wenn uns wieder eine Nachricht erreicht hat, dass in unserem Freundeskreis der nächste Storch zugeschlagen hatte. Das Ding ist, ich konnte mich nicht für sie freuen bzw. nur sehr bedingt.  Warum nicht, fragt sich jetzt sicher der ein oder andere. Meine Gedanken kann wirklich nur jemand verstehen, der auch schon mal gleiches durchlebt hat.

Es ist ein Gefühl der Ohnmacht. Du tust alles dafür um auch endlich schwanger zu werden, wünscht es dir so sehr. Aber es will und will einfach nicht klappen. Jeden Monat hast du quasi einen Misserfolg. Und die anderen ziehen mit ihren Schwangerschaftsbäuchen glückselig bei dir vorbei und du denkst dir nur, das kann einfach nicht sein. Jetzt bleibst du am Schluss noch übrig. Denn eins ist auch ganz klar, für mich ist diese happy new family eine ganz andere Welt und wir gehören als noch kinderloses Paar da einfach nicht mehr dazu, wenn den halben Abend nur über Babys Kacka philosophiert wird und ob das Stillhüttchen jetzt auch richtig sitzt. Prinzipiell eh nett, aber ihr wisst was ich  meine. Als Nicht-Eltern kann man da einfach (noch) nicht mitreden, tut man es doch kann man sich hier schnell als besserwisserisch qualifizieren so nach dem Motto „du hast doch keine Ahnung“.

 

Das Unverständnis der anderen

Wir Mädchen haben schon im Kindergarten gerne Mutter-Vater-Kind gespielt und man glaub, verklärt wie man irgendwie ist, dass es dann im wirklichen Leben Jahre später genau so laufen wird. Alles easy, alles cheesy, klappt ja bei den anderen auch immer so. Tja der Punkt ist, man hört immer nur die tollen positiven Geschichten. Keiner erzählt dir, wenn es doch nicht so rund gelaufen ist, vielleicht auch eine Fehlgeburt erlitten wurde etc.

Ich war ja selbst um nichts besser, habe mich nach der Fehlgeburt wie ein geschundener Hund zu Hause verkrochen. Wollte bloß nicht, dass irgendjemand auch nur am Rande mitbekommt, was passiert ist. Ich hatte das Gefühl total versagt zu haben und über Versagen redet man in unserer Gesellschaft nicht. Heute weiß ich, dass dieses Verhalten meinerseits und das Verhalten meiner gesamten Umgebung, komplett falsch war. Ja genau richtig, ich habe falsch reagiert, aber meine Freunde/Bekannten/Familie etc. haben genauso falsch reagiert und mir mit ihrem Verhalten somit in keinster Weise geholfen. In dem Moment brauchst du keine Aussagen wie „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt“ oder „Lass dir Zeit, relaxe und arbeite vielleicht weniger“…ihr glaubt gar nicht was für „tolle“ Ratschläge ich hier in all den Jahren erhalten habe, von lieben Mitmenschen die nie in so einer Situation waren wie ich und hier einfach keine Ahnung haben.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich den Ball zurückspielen möchte und einen Schuldigen suche, warum alles so gekommen ist. Ganz im Gegenteil ich möchte all jenen, die jetzt vielleicht genau in dieser Situation sind, egal ob als Betroffener oder als Zuschauer einen wichtigen Tipp auf dem Weg geben. Nehmt denjenigen in den Arm und sagt nur diesen einen Satz:“ Es tut mir so leid für dich“. Nicht mehr und nicht weniger.  Mehr hätte es auch bei mir nicht gebraucht und so manche Freundschaft wäre vielleicht nicht daran zerbrochen.

 

 

 

 

2 thoughts on “Exkurs: Warum will ich überhaupt Kinder?!

  1. Daniela

    Liebe Patricia, wirklich wirklich toll geschrieben! Mit viel Gefühl und Ehrlichkeit.
    In einigen Punkten wirklich auf den Kopf getroffen…die ständige Fragerei der anderen…dieses nicht dazu gehören usw.
    Ich lese so gerne deine Blog Einträge.
    Ich hoffe und wünsche Dir/Euch beiden, dass sich eines Tages Euer Wunsch erfüllt. Liebe Grüße Daniela

    • Patricia Hampl

      Vielen lieben Dank Daniela! Freut mich sehr, dass dir meine Beiträge so zusagen! Es tut so gut endlich ehrlich darüber zu schreiben und zu sprechen. Mal sehen was die Zukunft bringt. Liebe Grüße Patricia

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